Wald und Mensch – Wie schützen wir einander in der Klimakrise?

Die Veranstaltung „Wald und Mensch – Wie schützen wir einander in der Klimakrise?“ fand am 20. Oktober im Nationalparkhaus in Hardegg statt. Jana-Sophie Ette vom Bundesforschungszentrum für Wald und Georg Josef Kanz vom Bundesministerium für Klimaschutz referierten zum Thema und brachten Einblicke in die Klimakrise. Durch den Abend führte der Vorsitzende der WALDVIERTEL AKADEMIE Thomas Arthaber.

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Wald und Mensch - Wie schützen wir einander in der Klimakrise? 2

„Lebensraum. Erholung. Kraftplatz. Holz.“ Das waren nur ein paar der Schlagwörter zur Bedeutung unserer Wälder, die von den rund 40 Teilnehmenden der Veranstaltung „Wald und Mensch“ genannt wurden. Wie uns der Wald vor den Auswirkungen des Klimawandels schützt und was wir tun können, um die Ökosystemleistungen unserer Wälder zu erhalten, waren die zentralen Fragen des Abends. Fast schon traditionell, wurde der Themenabend gemeinsam vom Nationalpark Thayatal, der Waldviertel Akademie und der Klimamodellregion Retzer Land veranstaltet. Neu mit an Bord war die KLAR! Region Horn. 

Jana-Sophie Ette, bis vor kurzem Mitarbeiterin am Bundesforschungszentrum für Wald, läutete den Abend mit einigen Fakten zum Klimawandel auf globaler, europäischer und österreichischer Ebene ein. Die Kernbotschaft: Der Klimawandel kennt keine Landesgrenzen. So wie sich die Erwärmung der Adria auf Hochwasser-Ereignisse im Süden Österreichs auswirkt, wirken sich höhere Temperaturen und lange Trockenperioden auch auf den Lebensraum Wald aus. Hitze- und Trockenstress führen bei Bäumen zu häufigerer Ausbildung von Samen und Früchten, was die Bäume schwächt, Schädlinge treten öfter auf, da sich deren Lebensraum vergrößert, und die Ökosystemleistungen der Wälder sinken.

Ökosystemleistungen: Was der Wald für uns tut

„Wälder sind gigantische Kohlenstoffspeicher. Sie filtern CO2 aus der Luft, speichern dieses im Waldboden und wandeln es in Biomasse um – und das alles gratis!“, erklärt Ette. Sie liefern aber auch CO2 neutrale Produkte wie Schwammerl, Wildbret und Holz. Und Sie wirken ausgleichend auf die Effekte der Klimaerwärmung: Wälder spenden Schatten, kühlen die Umgebung, beeinflussen den kleinräumen Niederschlag und vieles mehr. Voraussetzung für all diese Leistungen ist laut Ette die Biodiversität. Ökosysteme mit hoher Biodiversität sind resistenter gegenüber Veränderungen. Diese geht jedoch schnell verloren. Und hier kommt der Mensch ins Spiel.

Der Mensch: nützen, schützen, forschen

Menschliches Wirtschaften ist der Hauptgrund für den Verlust der Biodiversität. Anpassungen in der Landnutzung, naturnahe Waldbewirtschaftung und der Waldumbau, weg von Fichtenmonokulturen hin zu artenreichen Mischwäldern, sind wichtiger denn je. Nur so bleiben die Ökosystemleistungen der Wälder langfristig erhalten. Aber auch die Forschung ist laut Ette ein zentraler Faktor für den klimafitten Wald von morgen. Im Forschungsprojekt TERZ wurden beispielsweise über 400 Traubeneichen erforscht, die seit Jahrzehnten an extrem trockenen Standorten im Nationalpark Thayatal gedeihen. Mit Erfolg! Einige der beprobten Eichen weisen sowohl eine hohe Trockenheitstoleranz als auch eine hohe genetische Diversität auf. Mit dem gewonnen Saatgut wurden Jungpflanzen gezogen, die in ferner Zukunft Saatgut für die Forstwirtschaft liefern sollen.

Waldumbau: aber wie?

Für praktische Impulse sorgte Georg Josef Kanz, Forstwirt und Pinwald-Gründer. „Die große Herausforderung des Waldumbaus liegt im sehr langen Lebenszyklus. Zwar gibt es Klimaprognosen, wo genau die Reise bis zum Ende des Jahrhunderts hingeht, hängt stark von den Klimaschutzmaßnahmen der nächsten Jahre ab.“, resümiert Kanz. Eine Antwort auf die Schwierigkeiten der langfristigen Planung ist die dynamische Waldtypisierung. Dabei werden Klima- und Standortdaten einbezogen und berechnet, ob eine bestimmte Baumart in Zukunft überlebt. Garantie gibt es freilich keine. Auch Kanz sieht den Schlüssel zum Erfolg in der Biodiversität: „Vielfalt ist alles: Angefangen beim Boden, der Kraut-, Strauch- und Baumschicht bis hin zur Verteilung der Bäume auf der Fläche.“

Schritt für Schritt zum Wald der Vielfalt

Soll ein bestehender Fichtenwald in einen Mischwald umgewandelt werden, kann laut Kanz eine Unterpflanzung mit beispielsweise Buchen erfolgen. Natürlich aufkommende Baumarten unbedingt Aufkommen lassen und die Mischbaumstruktur belassen. Besonders wichtig ist Totholz im Wald. Nicht nur für Organismen. Es speichert auch Wasser und gibt es später an den Boden ab. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass sich der Waldboden nach langen Trockenphasen wieder erholt. Hilfe bei der Waldumwandlung bieten auch die „Baum-Ampel“ des BfW oder die Seite „herkunftsberatung.at“, sowie zahlreiche Beratungsangebote für Forstwirte.

WILDe Diskussion zum Abschluss

Von der Wilddichte, über die energetische Nutzung des Holzes bis hin zu Windkraft im Wald: Bei der abschließenden Frage- und Diskussionsrunde wurde ein breites Themenspektrum diskutiert. Die brennendste Frage war, auf welche Baumarten Waldbesitzer:innen setzen sollen. Die beiden Vortragenden waren sich einig und würden den Fokus auf heimische Baumarten setzen. Heute südlich angesiedelte Arten können auf kleinen Flächen Einzug finden. Aber Achtung vor invasiven Arten wie Götterbaum oder Robinie! Wichtig ist Vielfalt – allein schon um das Risiko zu streuen.

Ebenso traditionell endete der Abend mit regionalem Wein, Brot und süßen Leckereien der Familie Rockenbauer aus Niederfladnitz.

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